Bengt Schyllert
1940 - Present
Bengt Schyllert war einer der Piloten und Retter, die beim Unglück der Estonia nicht im Zentrum des Sinkens, sondern am Rand eingriffen – wo das Meer, das Wetter und die Uhr jedes Suchmuster zu einem Wettlauf gegen die Zeit machten. Die Rettung in der Ostsee in jener Nacht erforderte mehr als nur Geschick. Sie verlangte die Bereitschaft, weiterzufliegen, wenn die Szene darunter von Dunkelheit, Wind und dem Wissen geprägt war, dass viele Menschen nicht lange im Wasser überleben würden.
Die Arbeit eines Retters in einer solchen Katastrophe ist immer seltsam intim und zugleich fern. Er wäre Teil des koordinierten Einsatzes gewesen, der versuchte, Rettungsinseln zu orten, Überlebende zu finden und sie aus Bedingungen zu befreien, die selbst kurze Exposition bestraften. Die Herausforderung bestand nicht nur darin, Menschen zu finden. Es ging darum, sie zu finden, bevor Unterkühlung, Wellen oder Erschöpfung die letzte Kraft raubten. In diesem Umfeld konnte der Unterschied zwischen einer erfolgreichen Bergung und einem leeren Suchlauf eine Frage von Minuten sein.
Schyllerts Bedeutung liegt darin, was Rettungsteams über Katastrophen offenbaren: Sie zeigen die dünne Linie zwischen denjenigen, die zu den Lebenden gezählt werden, und denjenigen, die dem Meer verloren gehen. Die Reaktion auf die Estonia wird nicht nur für das Versagen und den Verlust in Erinnerung behalten, sondern auch für die Entschlossenheit der Luft- und Seecrews, die gefährliche Bedingungen eingingen, weil es keine Option war, den Ort zu verlassen. Diejenigen, die in die Suchzone flogen und segelten, mussten mit eingeschränkter Sicht und fragmentarischen Berichten arbeiten, eine Situation, die Urteilsvermögen unter Druck erforderte, anstatt Spektakel.
In Katastrophenerzählungen gibt es eine Tendenz, den Heroismus dramatischen Taten vorzubehalten. In Wirklichkeit besteht ein Großteil davon aus Verfahren: bei der Sache bleiben, Position halten, vorsichtig absenken, das Wasser erneut scannen, wenn der erste Durchgang nichts zeigt. Schyllerts Rolle gehört zu dieser ruhigeren Kategorie. Sein Land, Schweden, trug einen Teil der Reaktionslast, und der Rettungseinsatz wurde zu einer grenzüberschreitenden Operation, die durch die gemeinsame Geografie der Ostsee geprägt war.
Die menschliche Bedeutung der Biografie eines Retters besteht darin, dass sie den abstrakten Begriff „Reaktion“ mit den Körpern und Maschinen verbindet, die eine Reaktion möglich machten. Die Katastrophe endete nicht, als das Schiff sank. Sie setzte sich in den Suchscheinwerfern, im Cockpit und in den kalten Berechnungen der Crews fort, die versuchten, einige Menschen aus Wasser zurückzubringen, das niemals überlebbar hätte sein dürfen. Dieser Einsatz, selbst wo er scheiterte, bleibt Teil des moralischen Berichts der Katastrophe.
