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ErmittlerMaritime historian and witness-collectorGermany

Heinz Schön

1926 - 2014

Heinz Schön wurde zu einem der wichtigsten Chronisten der Katastrophe der Wilhelm Gustloff, nicht weil er Schiffe kommandierte oder Rettungen leitete, sondern weil er Jahrzehnte damit verbrachte, Zeugenaussagen, Aufzeichnungen und überlebende Spuren des Untergangs zusammenzutragen. Geboren 1926 und gestorben 2014, gehörte er zur Generation, die im Krieg aufwuchs und einen Großteil ihres Erwachsenenlebens damit verbrachte, die Geschichte wiederherzustellen, die der Krieg zerbrochen hatte. Sein Leben war von einer doppelten Exposition geprägt: zunächst durch die Katastrophe der Ära selbst und später durch die stillere Katastrophe des Vergessens.

Was Schön antrieb, war nicht nur antiquarisches Interesse. Er schien von der Überzeugung beseelt zu sein, dass Geschichte, wenn sie den Gefühlen oder politischen Bequemlichkeiten überlassen wird, die Toten verfälschen würde. Die Katastrophe der Wilhelm Gustloff war besonders anfällig für Verzerrungen, da sie an der Schnittstelle von militärischem Zusammenbruch, ziviler Evakuierung und den Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands lag. Schöns Arbeit deutet auf ein Temperament hin, das methodisch fast bis zur Besessenheit war: ein Mann, der weniger an tröstlichen Erzählungen als an Zählen, Vergleichen und Korrigieren interessiert war. In diesem Sinne war er nicht nur Historiker, sondern eine Art forensischer Hüter, jemand, der Dokumentation als moralische Pflicht behandelte. Das Schiff war schnell gesunken; er verbrachte Jahre damit, sich zu weigern, dass die Erinnerung dasselbe tat.

Sein Beitrag war wichtig, weil die Gustloff-Katastrophe nie leicht zu dokumentieren war. Passagierlisten waren unvollständig, Kriegsaufzeichnungen fragmentiert, und die Toten konnten nicht so ordentlich gezählt werden wie in Friedenszeiten bei maritimen Katastrophen. Schöns Arbeit bestand darin, Beweise aus diesem ruinösen Archiv zu sammeln und auf dem Ausmaß des Verlustes zu bestehen. Ohne eine solch mühevolle Rekonstruktion hätte der Untergang ein vages Symbol bleiben können, anstatt ein sorgfältig verstandenes historisches Ereignis zu sein. Er rettete nicht nur Fakten, sondern auch Menschen aus der Anonymität.

Diese Arbeit brachte ihre eigenen Widersprüche mit sich. Öffentlich trat Schön als Hüter des Gedenkens auf, jemand, der sich der Wahrheit gegen das Vergessen verschrieben hatte. Privat verlangte diese Rolle wahrscheinlich eine Verhärtung des Selbst: Der Chronist musste immer wieder zu Listen der Toten, Überlebendenzeugnissen und bürokratischen Spuren des Schreckens zurückkehren. Eine solche Aufgabe kann zu einer Form emotionaler Disziplin werden, sogar zu Selbstschutz. Mit Präzision über Massentod zu schreiben, erfordert das Unterdrücken oder zumindest das Kompartimentieren der vollen Wucht dessen, was man weiß. Das Ergebnis ist eine seltsame moralische Haltung: intim mit dem Verlust, aber gezwungen, ihn aus einem Winkel zu betrachten.

Es gab auch Konsequenzen für andere. Indem er auf das Leid der deutschen Zivilbevölkerung bestand, half Schön vielen Lesern, die Evakuierung des östlichen Baltikums als menschliche Katastrophe und nicht als politische Peinlichkeit zu sehen. Gleichzeitig konnte diese Betonung von denen missbraucht werden, die darauf aus waren, Schuld zu nivellieren oder das deutsche Opferdasein von der deutschen Aggression zu trennen. Seine sorgfältige Wissenschaft war gerade deshalb wichtig, weil sie dieser Vereinfachung widerstand. Er stellte den Untergang zurück in den totalen Krieg von 1945, wo ziviles Leid, militärisches Handeln und Staatszusammenbruch eng miteinander verwoben waren.

Für Schön selbst war der Preis wahrscheinlich ein Leben, das in der Gesellschaft von Geistern und Fragmenten verbracht wurde. Seine Arbeit war eine Form der Bergung, aber Bergung hat ihren eigenen Preis: Der Bergende kann das Wrack niemals vollständig hinter sich lassen. Im langen Erbe der Wilhelm Gustloff steht Heinz Schön für die geduldige Arbeit der dokumentarischen Wahrheit. Das Meer zerstörte das Schiff; die Erinnerung, allein gelassen, hätte einen Großteil der Beweise zerstört. Seine Arbeit half sicherzustellen, dass die Toten nicht zweimal verloren gingen.

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